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Recht / Zivilrecht 
Montag, 19.09.2022

Kein Schmerzensgeld wegen zu hoher Temperaturen im Flugzeug aufgrund ausgefallener Klimaanlage

Das Landgericht Frankfurt am Main entschied in einem rechtskräftigen Urteil, dass eine Fluggesellschaft nach der Flugastrechteverordnung zwar verpflichtet ist, eine Entschädigung für eine mehrstündige Verspätung zu zahlen, darüber hinaus jedoch kein Schmerzensgeld wegen zu hoher Temperaturen im Flugzeug aufgrund ausgefallener Klimaanlage zahlen muss, wenn keine Verletzung des Körpers oder der Gesundheit des Fluggastes vorliegt (Az. 2-24 S 16/20).

Die Kläger, eine dreiköpfige Familie mit zweijähriger Tochter, wollten mit der beklagten Fluggesellschaft von Brindisi nach Frankfurt am Main fliegen. Die geplante Abflugzeit war 10:55 Uhr, aber aufgrund einer Verspätung betraten die Kläger erst um 14:11 Uhr das Flugzeug. Im Flugzeug herrschten hohe Temperaturen, weil die Klimaanlage defekt war. Um 14:56 Uhr teilte der Pilot mit, dass der Flug eine Viertelstunde später starten wird. Die Crew weigerte sich, die Türen zu öffnen und nachdem einige Passagiere die Polizei informiert hatten, kehrte das Flugzeug zum Terminal zurück. Den zwischenzeitlich ausgestiegenen Passagieren wurde mitgeteilt, dass die Klimaanlage nicht funktioniere. Ihnen wurde es freigestellt, gleichwohl mitzufliegen. Als der Abflug für 16:30 Uhr angekündigt wurde, bestiegen die Kläger erneut das Flugzeug. Darin war es immer noch sehr heiß. Das Flugzeug startete um 17:20 Uhr und landete um 19:22 Uhr, mehr als sechs Stunden später als vereinbart. Die beklagte Fluggesellschaft erkannte für jedes Familienmitglied 250 Euro Entschädigung nach der sog. Fluggastrechteverordnung an. Darüber hinaus haben die Kläger ein Schmerzensgeld von 650 Euro pro Person verlangt, denn im Flugzeug habe eine Temperatur von über 50 Grad geherrscht und die Atemluft sei schlecht gewesen.

Das Landgericht hat ein Recht der Kläger auf ein weiteres Schmerzensgeld verneint. Ein Schmerzensgeld setze eine Verletzung des Körpers oder der Gesundheit voraus. Eine Gefährdung reiche nach dem Gesetz dafür nicht. Die Kläger hätten nicht beweisen können, dass sie Kreislaufprobleme und Kopfschmerzen im Ausmaß einer Gesundheitsverletzung gehabt hätten. Ein Schmerzensgeld wegen eines Freiheitsentzuges scheitere schon daran, dass die Kläger erklärt hätten, gar nicht aussteigen, sondern losfliegen zu wollen und deswegen nach der Rückkehr zum Terminal erneut das Flugzeug bestiegen hätten.

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